Immobilien kaufen in Österreich: Was internationalen Käufer wissen müssen

Evgenia Hora, Staatlich geprüfte ImmobilientreuhänderinVeröffentlicht am 6. Juli 2026Aktualisiert am 6. Juli 20267 Min. Lesezeit

„Wenn sich jemand bei uns meldet und sagt: ‚Ich möchte in Österreich eine Immobilie kaufen.‘, stelle ich fast immer dieselbe Gegenfrage:

„Welches Österreich meinen Sie?“

Mag. Gerhard Oehling, Geschäftsführer der Immo Agency GmbH und Partner von Fylpi, lächelt, wenn er diese Geschichte im neunten Video des Fylpi Podcasts „Real Estate Intelligence“ erzählt.

Die Reaktion seiner internationalen Kundinnen und Kunden ist fast immer dieselbe.

Irritation. Verwunderung.

„Wie meinen Sie das? Österreich ist doch Österreich.“

Und genau hier beginnt einer der häufigsten Denkfehler beim Immobilienkauf in Österreich.

Nicht, weil internationale Käufer den Markt falsch einschätzen. Sondern weil viele Besonderheiten und Unterschiede des österreichischen Immobilienmarktes auf den ersten Blick gar nicht sichtbar sind.

Warum Österreich nicht gleich Österreich ist

Schließen Sie für einen Moment die Augen.

Sommer am See.

Winter in den Alpen.

Ein Spaziergang durch die Weinberge.

Homeoffice mit Bergblick.

Für Millionen Menschen auf der ganzen Welt ist genau das Österreich.

Ein Land mit außergewöhnlicher Lebensqualität, hoher Sicherheit und bemerkenswerter Stabilität.

Für viele internationale Käufer ist Österreich deshalb längst nicht mehr nur ein Reiseziel.

Es ist ein Land, in dem sie leben möchten. Ein Land, in dem sie ihr Kapital investieren möchten.

Und genau deshalb beginnt irgendwann die Suche nach einer Immobilie.

Nur: fast alle starten diese Suche mit derselben Frage:

Welche Immobilie passt zu mir?

Dabei wäre eine andere Frage der bessere Ausgangspunkt:

In welchem Markt möchte ich überhaupt investieren?

Denn obwohl Österreich auf der Landkarte wie ein kleines Land wirkt, ist der Immobilienmarkt alles andere als einheitlich.

Österreich besteht aus neun Bundesländern.

Immobilienwirtschaftlich betrachtet sind es jedoch neun unterschiedliche Immobilienmärkte.

Mit unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen, Marktmechanismen, Nachfrageprofilen und wirtschaftlichen Entwicklungen.

Wer diese Perspektive einmal einnimmt, betrachtet Immobilienangebote plötzlich mit anderen Augen.

Und sucht nicht mehr nur nach der passenden Immobilie.

Sondern nach dem richtigen Markt.

Ein Land. Neun Immobilienmärkte.

Ein internationaler Käufer denkt oft ganz selbstverständlich:

Österreich ist Österreich.

Wohnung ist Wohnung.

Preis ist Preis.

Das klingt logisch.

Ist es aber nicht.

Zumindest nicht auf dem österreichischen Immobilienmarkt.

Denn Österreich besteht aus neun Bundesländern – immobilienwirtschaftlich betrachtet jedoch aus neun unterschiedlichen Märkten.

Mit jeder Landesgrenze verändern sich nicht nur Landschaft, Dialekt oder Lebensgefühl.

Es verändern sich auch die rechtlichen, wirtschaftlichen und administrativen Rahmenbedingungen, unter denen Immobilien gekauft, finanziert, entwickelt und genutzt werden.

Jedes Bundesland verfügt über eigene Behördenstrukturen, eigene Wohnbauförderungen und eine eigene Verwaltungspraxis. Hinzu kommen regionale Marktmechanismen, unterschiedliche Nachfrageprofile und wirtschaftliche Entwicklungen.

Für internationale Käufer kommt ein weiterer, oft entscheidender Faktor hinzu: der Immobilienerwerb durch ausländische Staatsangehörige.

Auch dieser ist in Österreich nicht einheitlich geregelt.

Während Wien über ein eigenes Wiener Ausländergrunderwerbsgesetz verfügt, sind die Regelungen in den übrigen Bundesländern Bestandteil der jeweiligen Grundverkehrsgesetze.

Dadurch unterscheiden sich Verfahren, Zuständigkeiten und Genehmigungsvoraussetzungen teilweise erheblich.

Ob und unter welchen Bedingungen eine Immobilie überhaupt erworben werden kann, hängt deshalb nicht nur vom Objekt selbst ab, sondern auch vom Bundesland, in dem es liegt.

Genau deshalb sprechen Immobilienprofis nur selten vom österreichischen Immobilienmarkt als einem einheitlichen Markt.

In der Praxis handelt es sich vielmehr um neun eigenständige Immobilienmärkte mit unterschiedlichen rechtlichen, wirtschaftlichen und administrativen Rahmenbedingungen.

Wer eine Immobilie in Österreich kauft, investiert deshalb nicht nur in ein Gebäude.

Er investiert immer auch in das System, in dem diese Immobilie liegt.

Und genau dieses System entscheidet oft darüber, wie sich eine Immobilie entwickeln wird – heute, in fünf oder in zwanzig Jahren.

Deshalb lohnt es sich, vor dem Kauf nicht nur die Immobilie zu analysieren.

Sondern auch den Markt, in dem sie liegt.

Ein Beispiel aus der Praxis

Nehmen wir unseren M.

Wer ihn noch nicht kennt - M. ist IT-Entwickler, lebt seit drei Jahren in Österreich und hat sich entschieden, in Wien eine Eigentumswohnung zu kaufen.

Wie viele internationale Käufer hat er sich intensiv mit Lage, Preis und Finanzierung beschäftigt. 

Worauf er jedoch kaum geachtet hat, waren die rechtlichen Rahmenbedingungen des Bundeslandes.

Für den Erwerb der Wohnung benötigte er nach dem Wiener Ausländergrunderwerbsgesetz zunächst eine behördliche Genehmigung.

Bis diese erteilt wurde, vergingen mehrere Monate. Während dieser Zeit befand sich der gesamte Kaufpreis auf dem Treuhandkonto. Der Kaufvertrag stand unter aufschiebender Bedingung, M. durfte die Wohnung nicht beziehen und musste weiterhin Miete für seine bisherige Mietwohnung bezahlen.

Doch die eigentliche Überraschung folgte erst später.

Nach dem Kauf seiner ersten Wohnung plante M., eine kleine Anlagewohnung zur Vermietung zu erwerben.

Erst jetzt stellte er fest, dass er nach dem Wiener Ausländergrunderwerbsgesetz keine zweite Immobilie in Wien erwerben durfte.

Hätte sich M. stattdessen für eine Immobilie in Klosterneuburg, Niederösterreich entschieden, wäre die Situation eine andere gewesen. Dort gelten andere landesrechtliche Bestimmungen für den Erwerb durch ausländische Staatsangehörige. Auch das Verfahren und die Bearbeitungszeiten unterscheiden sich zum Teil deutlich von Wien.

Genau darin liegt einer der größten Unterschiede zwischen einem Immobilienkäufer und einem Immobilieninvestor.

Ein Immobilienkäufer sucht nach der passenden Immobilie.

Ein Immobilieninvestor analysiert zuerst den Markt, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die langfristigen Entwicklungsperspektiven – und entscheidet sich erst dann für eine Immobilie.

Neun Bundesländer. Neun Antworten.

Was bedeutet das konkret?

Nehmen wir eine Frage, die internationale Käufer fast immer stellen: „Darf ich hier überhaupt kaufen?“

In Österreich lautet die Antwort: Es kommt darauf an. Auf das Bundesland.

Wien verfügt über ein eigenes Wiener Ausländergrunderwerbsgesetz. Wer keine EU-Staatsbürgerschaft besitzt, benötigt eine behördliche Genehmigung. Das Verfahren dauert. Der Kaufvertrag steht unter aufschiebender Bedingung. Und: Eine Genehmigung wird in der Regel nur für den Erwerb zum eigenen Wohnbedarf erteilt.

Niederösterreich regelt den Erwerb durch Ausländer im Rahmen des Niederösterreichischen Grundverkehrsgesetzes. Die Zuständigkeiten, Verfahren und Bearbeitungszeiten unterscheiden sich von Wien — teilweise erheblich. Was in Wien Monate dauert, kann in Klosterneuburg anders verlaufen.

Tirol gilt als eines der restriktivsten Bundesländer. Neben dem Grundverkehrsgesetz greift hier zusätzlich das Tiroler Freizeitwohnsitzgesetz. Wer eine Immobilie nicht als Hauptwohnsitz nutzen möchte, stößt schnell an enge gesetzliche Grenzen — unabhängig von Staatsangehörigkeit oder Kaufpreis.

Vorarlberg, Salzburg, Steiermark — jedes Bundesland hat seine eigene Logik. Seine eigenen Behörden. Seine eigenen Fristen.

Das ist kein bürokratisches Detail.

Es ist der Unterschied zwischen einer Investition, die aufgeht — und einer, die ins Stocken gerät, bevor sie begonnen hat.

Wer das weiß, stellt andere Fragen. Bessere Fragen. Früher.

Wer das nicht weiß, lernt es spätestens dann — wenn der Kaufvertrag bereits unterschrieben ist.

Transparenz auf dem Immobilienmarkt

Aus der Geschichte von M. ergibt sich eine naheliegende Frage:

Warum wusste er das alles nicht, obwohl er eine erhebliche Summe in österreichischen Immobilienmarkt investiert hat?

Wenn Sie ein neues Spiel beginnen – was machen Sie als Erstes?

Genau.

Sie schauen sich die Spielregeln an.

Gibt es solche Spielregeln auch auf dem österreichischen Immobilienmarkt?

Ja. Selbstverständlich.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob diese Informationen existieren.

Sondern wo man sie findet.

Sind sie verborgen?

Nein. Ganz im Gegenteil. Alle Daten sind vorhanden.

Sie sind jedoch auf unterschiedliche Gesetze, Verordnungen, Behörden, Institutionen und Informationsquellen verteilt.

Wer fundierte Investitionsentscheidungen treffen möchte, muss deshalb zunächst wissen, dass diese Unterschiede überhaupt existieren – und wo sie geregelt sind.

Ein klassisches Inserat oder Exposé enthält diese Informationen in der Regel nicht.

Nicht, weil sie geheim wären.

Sondern weil sie für viele österreichische Käufer selbstverständlich sind. Sie wachsen mit den Besonderheiten des österreichischen Föderalismus auf und begegnen ihnen bereits in der Schule, im Studium oder im Berufsalltag.

Doch wie sollen Newcomer diese Unterschiede kennen, wenn sie nicht einmal wissen, dass sie existieren?

Genau hier beginnt der Wissensvorsprung von Immobilienprofis. Vor allem - Immobilienmaklerinnen und Immobilienmaklern.

Der Wert ihrer Arbeit liegt deshalb nicht nur in der Vermittlung einer Immobilie, sondern vor allem in der Einordnung von Informationen, die für viele Käufer auf den ersten Blick gar nicht sichtbar sind.

Fazit

Wer in Österreich eine Immobilie kauft, trifft nicht nur eine Kaufentscheidung.

Er entscheidet sich immer auch für ein rechtliches, wirtschaftliches und administratives Umfeld.

Und genau dieses Umfeld kann darüber entscheiden, wie sich eine Immobilie entwickelt – heute, in fünf oder in zwanzig Jahren.

Vielleicht erklärt genau das auch die Gegenfrage von Mag. Gerhard Oehling zu Beginn dieses Artikels:

„Welches Österreich meinen Sie?“

Eine Frage, die auf den ersten Blick überrascht.

Nach diesem Artikel vermutlich nicht mehr.

Im neuen Video des Fylpi Podcasts „Real Estate Intelligence“ spricht Mag. Gerhard Oehling über genau diese Unterschiede und erklärt, warum Österreich regional betrachtet nicht ein Immobilienmarkt ist – sondern neun.

Genau aus diesem Grund entwickeln wir Fylpi.

Unser Ziel ist es, Informationen verständlich aufzubereiten, Zusammenhänge sichtbar zu machen und den österreichischen Immobilienmarkt Schritt für Schritt transparenter zu gestalten – damit fundierte Entscheidungen einfacher werden.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie auf Ihrem Weg immer die richtigen Informationen, kompetente Immobilienprofis und die passende Immobilie finden.

Die Übersicht der gesetzlichen Regelungen zum Ausländergrunderwerb in den einzelnen Bundesländern finden Sie nachfolgend.

Ausländergrunderwerb in Österreich: Gesetze der Bundesländer im Überblick

Bundesland

Gesetz

Link zum Gesetz

Wien

Wiener Ausländergrunderwerbsgesetz (WrAuslGEG)

https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrW&Gesetzesnummer=20000055

Burgenland

Burgenländisches Grundverkehrsgesetz 2007

https://www.jusline.at/gesetz/bgld_gvg_2007

Kärnten

Kärntner Grundverkehrsgesetz

https://www.jusline.at/gesetz/k-gvg_2002

Niederösterreich

NÖ Grundverkehrsgesetz 2007

https://www.jusline.at/gesetz/noe_gvg_2007

Oberösterreich

Oö. Grundverkehrsgesetz 1994

https://www.jusline.at/gesetz/ooe_gvg_1994

Salzburg

Salzburger Grundverkehrsgesetz 2023

https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrSbg&Gesetzesnummer=20001397&FassungVom=2026-01-20

Steiermark

Steiermärkisches Grundverkehrsgesetz 1993

https://www.jusline.at/gesetz/stmk_gvg/gesamt

Tirol

Tiroler Grundverkehrsgesetz 1996

https://www.ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=LrT&Gesetzesnummer=20000005&FassungVom=2025-01-22&Artikel=&Paragraf=0&Anlage=&Uebergangsrecht=

Vorarlberg

Vorarlberger Grundverkehrsgesetz

https://www.ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=LrVbg&Gesetzesnummer=20000597&Artikel=&Paragraf=0&Anlage=&Uebergangsrecht=

Häufige Fragen

Dürfen Ausländer in Österreich eine Immobilie kaufen?

Ja — aber nicht überall unter denselben Bedingungen. Jedes Bundesland regelt den Erwerb durch ausländische Staatsangehörige eigenständig. In Wien gilt das Wiener Ausländergrunderwerbsgesetz, in den übrigen Bundesländern die jeweiligen Grundverkehrsgesetze. Verfahren, Zuständigkeiten und Genehmigungsvoraussetzungen unterscheiden sich teilweise erheblich.

Ich habe keine EU-Staatsbürgerschft. Kann ich in Österreich mehrere Immobilien kaufen?

Das hängt vom Bundesland und vom Zweck des Erwerbs ab. In Wien wird eine Genehmigung in der Regel nur für den Erwerb zum eigenen Wohnbedarf erteilt — nicht für Anlageobjekte oder Zweitwohnsitze. In anderen Bundesländern gelten andere Regelungen.

Wo finde ich die gesetzlichen Regelungen zum Ausländergrunderwerb?

Die Übersicht der gesetzlichen Regelungen für alle neun Bundesländer finden Sie am Ende dieses Artikels.

Evgenia Hora, Staatlich geprüfte Immobilientreuhänderin

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